BíOGRAFíLME
Hinweise zur Qualität und Aktualität eines Bíografílms
Das Erinnern von Lebensgeschichte ist immer auch ein Umgang mit den Kulturtechniken, die die Gesellschaft dafür entwickelt hat.
Diese Kulturtechniken sind mit entsprechenden Ritualen verbunden, die mehr oder weniger bewusst vollzogen werden.
Die Kultur individuellen und kollektiven Erinnerns umfasst gesellschaftliche Ereignisse, in deren Rahmen das Erinnern institutionalisiert ist (Jubiläen, Gedenktage oder Geburtstagsfeiern), genauso wie Rituale z. B. dafür gerne genutzte Standard-Posen in der Fotografie, etwa das Gruppenbild oder das Porträt als Fortführung und Weiterentwicklung aus der Geschichte der Malerei oder die Sammlung von Karten und Briefen, Super 8-Filmen oder Videos, genauso wie Tagebücher oder die Niederschrift von Memoiren.
Die Entwicklung, Angleichung und Verwandlung dieser Kulturtechniken des Erinnerns vollzieht sich immer auch entlang technischer Innovationen, die dabei den Stellenwert derjenigen Medien neu festlegen, die die Erinnerungen transportieren.
So ist z. B. auch das Fotoalbum als kleines Familien-Bilder-Archiv einem Wandel unterzogen. Darüberhinaus hat sich die Art der Bilderarchivierung seit dem Einstieg in die digitale Fotografie noch einmal völlig verändert.
Analog zum Fotoalbum gibt es bisher für Bilder in digitaler Form wohl noch keine gleichwertige Ersatzform des Ordnens, Strukturierens und Aufbewahrens.
Auch finden sich die Bilder der vordigitalen Zeit oft völlig abgetrennt von
den „Digis“ der Jetztzeit.
Aber heute können Filme, die z.B. im Format Super 8 gedreht wurden und jahrzehntelang unbe(tr)achtet im Abseits lagerten, in einen digital auf DVD gespeicherten Film genauso integriert werden wie analoge Fotos oder Tonbandaufnahmen und stehen damit durch die schnelle Zugriffsmöglichkeit in einem Film auf DVD wieder direkt zur Verfügung.
Eine Lebensgeschichte in einem Bíografílm zu erzählen, bietet so die Möglichkeit, die medial unterschiedlich gelagerten Erinnerungen aus ihren Verstecken zu holen und sie zur Bereicherung, zum Nachsinnen und Nachdenken in einem Film zu nutzen. Das ist zwar zeitaufwendig, aber die seltene Chance, eine umfassende, sinnvoll konzentrierte Gesamtschau der eigenen Lebensgeschichte zu erstellen.